Die Runden Tische der Breuninger Stiftung

INKLUSION UND TEILHABE VON MENSCHEN MIT BEHINDERUNG AN KULTUR
Stuttgart

Auftraggeber

Kultur für Alle e.V.

Auftrag

Mit der Zielvorstellung der "Inklusion von Menschen mit Behinderung" sind Selbstbestimmung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben möglich. Diese umfasst auch die Teilhabe am kulturellen Leben. Bisher findet die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben von Menschen mit Behinderung meist nur sehr eingeschränkt statt. Die notwendigen barrierefreien Orte und Anlässe sind nicht ausreichend vorhanden oder Zugangswege für einzelne Menschen sind nicht bekannt.

Der Verein KULTUR FÜR ALLE Stuttgart e.V. wollte hier ansetzen und die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am kulturellen Leben Stuttgarts vorantreiben. Dazu sollten entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden. Um das Angebot ausreichend erschließen zu können, wurde die Konzeption im Rahmen eines Runden Tisches bearbeitet. Daran teilgenommen haben Akteure von Kultureinrichtungen, Vertreter von sozialen Einrichtungen, Vertreter des Sozialamts, Vertreter des Vereins KULTUR FÜR ALLE Stuttgart e.V. sowie betroffene Personen selbst.

Ziel des Runden Tisches (und seines Auftraggebers "Kultur für Alle") war die aktive Beteiligung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung an Kultur und den Zugang zu Kulturangeboten zu erleichtern bzw. überhaupt zu ermöglichen.

Arbeitsschritte

Zur Auftaktveranstaltung hatte "Kultur für Alle e.V." Menschen mit Behinderung, Vertreter von Betreuungsorganisationen, Kultureinrichtungen und städtische Dienststellen eingeladen. Es sollte um die Frage "Wie kann die aktive Beteiligung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung an Kultur (der Zugang zu Kulturangeboten) erleichtert bzw. überhaupt erst ermöglicht werden?" gehen. Der Einladung gefolgt waren über 70 Personen.
In Form von "Briefen" an die bei dieser Veranstaltung gebildete Projektgruppe wurde von Anwesenden/Teilnehmern präzisiert, was ihnen bei dieser Aufgabenstellung besonders wichtig ist.

Die Projektgruppe, bestehend wiederum aus Menschen mit Behinderung, Vertretern von Betreuungsorganisationen, Kultureinrichtungen und städtischen Dienststellen erarbeitete zunächst einen grundlegenden Vorschlag.
Nachdem diese Idee im zweiten Plenum, zu dem diesmal etwa 60 Personen gekommen waren, diskutiert, ergänzt und präzisiert worden war, bereitete die Projektgruppe die Umsetzung vor.

Im dritten und abschließenden Plenum (zu dem wieder fast 60 Menschen gekommen waren) konnte dann ein konkretes Konzept vorgestellt und bereits über erste erfolgreiche Umsetzungen berichtet werden.

Alle Dokumente zum Prozess sind dokumentiert:
http://www.kultur-fuer-alle.net/inklusion.html

12.03.2013

Auftaktveranstaltung (1. Plenum)

15.04.2013

1. Sitzung der Projektgruppe

14.05.2013

2. Sitzung der Projektgruppe

03.06.2013

3. Sitzung der Projektgruppe

11.07.2013

4. Sitzung der Projektgruppe

17.07.2013

2. Plenum: Präsentation der Zwischenergebnisse

17.09.2013

5. Sitzung der Projektgruppe

09.10.2013

6. Sitzung der Projektgruppe

14.11.2013

7. Sitzung der Projektgruppe

05.12.2013

8. Sitzung der Projektgruppe

23.01.2014

9. Sitzung der Projektgruppe

04.02.2014

3. Plenum: Präsentation der Ergebnisse und Übergabe an „Kultur für Alle“

Ergebnisse

Um den Zugang von Menschen mit Behinderung zu Kulturangeboten zu verbessern, bedarf eines Prozesses, in den auch die Kultureinrichtungen einbezogen sind.
Davon ausgehend wurde

  • der Rahmen für eine Bestandsaufnahme
  • ein Praxistest für Kultureinrichtungen (auf freiwilliger Basis) und
  • die Eckpunkte für ein Leitbild

entwickelt. Der andere Aspekt des Themas, nämlich die Frage, wie Menschen mit Behinderungen selbst Kultur machen können, konnte im gegebenen Rahmen nicht bearbeitet werden.

Eine Bestandsaufnahme zur Barrierefreiheit von Kultureinrichtungen ist vor allem aus Sicht der Betroffenen wichtig: Damit können die notwendigen Informationen für die Organisation eines Kulturbesuchs verfügbar werden und den Betroffenen wird es möglich, ihren Kulturbesuch angemessen vorzubereiten. Wenn die Bestandsaufnahme nach einheitlichen Kriterien geschieht, kann auch sichergestellt werden, dass mit den veröffentlichten Angaben zur Barrierefreiheit jeweils dasselbe gemeint ist.

Die gesammelten Informationen aus der Bestandsaufnahme sollen sowohl in einer Broschüre aufbereitet als auch im Web abrufbar sein. Ausgearbeitet wurde dafür ein Fragebogen zum „Kurzcheck auf Barrierefreiheit“ mit knapp 50 Fragen, der zeitnah an die Stuttgarter Kultureinrichtungen verschickt wurde. In den Fragen sind alle Behinderungsarten berücksichtigt.

Anregungen für eine Leitbildentwicklung: (Kernsätze)

-       Wir beteiligen Menschen mit Behinderung

-       Wir ermutigen Menschen mit und ohne Behinderung sowie Kultureinrichtungen

-       Wir ermöglichen Menschen mit Behinderung Kultur

-       Wir unterstützen Menschen mit Behinderung und Kultureinrichtungen.

Der Runde Tisch schlägt vor, dass die Stadt Stuttgart diese Anregungen aufnehmen und weiter ausarbeiten soll.

Praxistest: Der von der Projektgruppe entwickelte Praxistest setzt auf Freiwilligkeit: nur Einrichtungen, die selbst daran ein Interesse haben, werden einbezogen.
Der Check selbst beginnt mit der Begehung von Einrichtungen (möglichst praxisnah) durch eine Gruppe von Menschen mit verschiedenen Handicaps. Alle dort beobachteten Schwierigkeiten werden mit Verantwortlichen aus der Einrichtung besprochen, gemeinsam nach Verbesserungsmöglichkeiten gesucht und anschließend protokolliert.

Nach 1-2 Jahren soll dann (wieder gemeinsam) überprüft werden, was erreicht werden konnte.

Im Dezember 2013 wurde damit begonnen Kultureinrichtungen in dieser Form auf Barrierefreiheit zu überprüfen. In den Kultureinrichtungen selbst wurde die Idee der Begehung positiv angenommen. Die Begehung hat dort dazu beigetragen, den tatsächlichen Bedarf zu klären und auch kurzfristige Verbesserungen zu initiieren.

Weitere Ergebnisse: Der intensive Austausch in der Projektgruppe führte auch zu einer besseren Vernetzung zwischen den Mitgliedern und den Organisationen, für die sie stehen. Und es ist gelungen, bereits während der Arbeit der Projektgruppe erkannte Mängel und Defizite zu beseitigen – dank der guten Kooperation v.a. mit den städtischen Vertreter/innen.

Funktionen

Moderation: Benjamin Wahl und Wolfgang Klenk (Breuninger Stiftung)
Organisatorische Betreuung: Eva Ringer (Kultur für Alle e.V.)
Finanzierung: Die Sachkosten konnten durch Mittel der Landeshauptstadt Stuttgart gedeckt werden. Die Moderation des Prozesses durch die Breuninger Stiftung erfolgte unentgeltlich.

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